Glückliches Gehirn: Was passiert in unserem Kopf, wenn wir glücklich sind?

In meinem Adventskalender hatte ich euch hinter Türchen 3 Hectors Glückslektionen vorgestellt. Auch mein letzter Buchtipp beschäftigte sich damit, wie man ein glückliches Leben führen kann (Achtung Spoiler: Auch der in naher Zukunft kommende Buchtipp wird sich darum drehen).

Wenn wir glücklich sind, zeigen wir dies meist durch körperliche Reaktionen: laute Jubelrufe, ein dickes Grinsen im Gesicht, freudige Luftsprünge oder ein Kribbeln im Bauch. Aber was passiert eigentlich in unserem Gehirn? Dort laufen tatsächlich chemische Reaktionen ab, an denen Botenstoffe (sogenannte Neurotransmitter) beteiligt sind.
Um diese Prozesse besser verstehen zu können, kann die folgende „Glückshormone-Infografik“ hilfreich sein:

Wie entsteht unser Glücksgefühl?

Wie sehe ich mich, wie siehst du mich? Von Selbsteinschätzung und Realität

Heute habe ich das Ergebnis für die erste Prüfung in meinem Fernstudium bekommen. Ich bin mehr oder weniger in die Prüfung reingestolpert, da ich dachte, es wird eine längerfristige Hausaufgabe, zu der ich mich anmelden kann und dann ein wenig Zeit für die Bearbeitung habe.

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Längeres und gesünderes Leben durch Kloster?!

Dass Frauen länger leben als Männer, ist schon längst kein Geheimnis mehr und hat verschiedene Ursachen. Durchschnittlich 5 Jahre mehr dürfen Frauen auf dieser Welt verbringen als Männer.
Ein Zitat aus den 60er/70er Jahren fasst das folgendermaßen zusammen:
„Women are sicker, but men die quicker“.
Die große Frage ist bloß: Sind die Männer selbst Schuld aufgrund ihres ungesunden Lebensstils oder sind sie genetisch dazu bestimmt, früher zu sterben?
Schaut man sich hingegen Nonnen und Mönchen an, erlebt man eine Überraschung, die der Forscher Dr. Marc Luy in seinen „Klosterstudien“ herausfand, die er seit 1998 durchführt und ständig erweitert. Er ging von folgender Annahme aus: Wenn biologisch-genetische Faktoren den Unterschied in der Lebenserwartung bedingen, dann gäbe es sowohl in der Allgemeinbevölkerung als auch im Kloster Unterschiede in der Lebenserwartung von Frauen und Männern. Sind aber Lebensstil, Verhalten und Umwelt Schuld, also Faktoren, die der Mensch beeinflussen kann, dann sollte sich die Lebenserwartung von Nonnen und Mönchen nicht groß voneinander unterscheiden, da sie einen sehr ähnlichen Lebenswandel haben. Luy untersuchte circa 12.000 Datensätze von Ordensgemeinschaften v.a. in Bayern und machte die erstaunliche Entdeckung, dass Nonnen und Mönche in etwa gleich alt werden. Die Ordensfrauen und –männer ähneln sich stark in vielen nicht-biologischen Faktoren, wie Lebensstil, Ernährung, Tagesablauf, Beruf und Wohnverhältnisse. Demzufolge sind die Sterblichkeitsunterschiede in der Allgemeinbevölkerung eher auf solche Faktoren als auf die Biologie zurückzuführen. Zusätzlich fand Luy heraus, dass Mönche rund fünf Jahre länger leben als Männer in der Allgemeinbevölkerung, zwischen Nonnen und Frauen gibt es allerdings seit Ende des Zweiten Weltkrieges kaum Unterschiede in der Lebenserwartung. Kurz gesagt: Männer in der „normalen“ Welt scheinen ungesünder als Mönche zu leben und sterben deshalb früher – da hilft auch kein Franziskaner Weißbier.
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Der Unterschied zwischen Männern und Mönchen liegt laut Luy vor allem am klösterlich stark geregelten Tagesablauf, der mit geringerer Stressbelastung einhergeht, sowie am enthaltsameren Leben der männlichen Ordensbevölkerung. Durch ständiges Rezitieren, Beten und Bibel lesen bleiben die Klosterbewohner geistig fit. Zusätzlich sehen sich die langlebigen Mönche in ihrem Leben mit weniger Brüchen konfrontiert – Midlife-Crisis, Verrentung und Co. entfallen im Kloster schlichtweg. Das Paradox: Eigentlich wollen Mönche gar nicht länger leben. Luy berichtet von einem Mönch, der ihm sagte, dass sie eigentlich danach streben, Gott ganz nah zu sein – und am nächsten ist man Gott ja schließlich erst nach dem eigenen Ableben.
Doch genug von den Männern – was ist eigentlich mit den Frauen? Wie bereits erwähnt, gibt es kaum Unterschiede in der Lebenserwartung zwischen Frauen und Nonnen. Doch findet man eventuell Differenzen in anderen Gesundheitsbereichen? Neben den Klosterstudien gibt es auch eine „Nonnenstudie“ von David Snowdon, die seit 1986 in Kentucky durchgeführt wird. Untersucht wurden circa 600 amerikanische Ordensschwestern zwischen 76 und 107 Jahren. Wie Mönche auch, zeichnen sich Nonnen durch eine sehr kontinuierliche Lebensführung über lange Zeit aus, etwa in puncto Tagesablauf oder Ernährung. Betrachtet wurden Laborbefunde, psychologische Fragebögen, histologische Gehirnschnitte und Lebensläufe der Teilnehmerinnen. Ein erstaunliches Ergebnis sei an dieser Stelle herausgestellt: die intellektuelle Leistungsfähigkeit der untersuchten Nonnen war unabhängig von ihren pathologischen Gehirnbefunden, die zahlreiche Alzheimer-Symptome aufwiesen. Das heißt: Auch Ordensschwestern, deren Gehirne von Alzheimer zerfressen waren, blieben bis ins hohe Alter noch geistig auf der Höhe. Zusätzlich fanden Snowdon und seine Kollegen einen Zusammenhang zwischen positiven Emotionen im frühen Leben und einer höheren Lebenserwartung. Glückliche Klosterfrauen leben länger – Klosterfrau Melissengeist sei Dank?!
Lautet die Patentlösung für alle aufgrund dieser Erkenntnisse jetzt, einfach ein paar Wochen lang ein gesundes Klosterleben zu führen? Oder müssen wir uns selbstständig im Alltag einen geregelteren Tagesablauf und einen gesünderen Lebensstil aneignen? Leider ist die Wirkung eines solchen Klosterurlaubs bis heute unklar – wäre ja auch zu schön, um wahr zu sein.

P.S.: Diesen Artikel habe ich für klinkholz.de geschrieben, er wurde auch dort bereits veröffentlicht.

Alles gemeinsam (einsam)

Heute mal ein eher beratungspsychologischer Text – ich muss ja meinem Studienfach gerecht werden 😉 Vielleicht hilft es ja dem einen oder anderen gerade. Und für die Singles: das kann auch für gute Freundschaften oder andere Beziehungen gelten 😉

Als Paar läuft man schnell Gefahr, sich vom Rest der Welt abzukapseln. Soziale Beziehungen zu anderen und Freundschaften geraten dann schnell in den Hintergrund, denn man hat ja sich. Gleichzeitig scheint es manchmal so, als ob Paare in einer Art Symbiose miteinander verschmelzen – eigene Hobbys werden dann unwichtig, man unternimmt nur noch alles gemeinsam.
Ich beobachte das vor allem im Urlaub: dort gibt es die spezielle Gattung „Radfahrer im Einheitslook“ – radelnde Paare, die sich exakt die gleiche praktische Funktionskleidung gekauft haben. Und das ganz egal, ob pink auch ihm steht oder nicht.

Foto: http://www.maja-langsdorff.de/einsill.jpg
Foto: http://www.maja-langsdorff.de/einsill.jpg

Prinzipiell ist gegen das „Alles gemeinsam“-Prinzip nichts einzuwenden. Es ist sogar sehr schön und wichtig für jede Beziehung, Zeit nur mit dem Partner zu verbringen: Zu reden, zärtlich zueinander zu sein, zusammen zu lachen, gemeinsamen Interessen nachzugehen und Erlebnisse zu teilen.

Problematisch wird es dann, wenn daraus ein „gemeinsam einsam“ wird. Wenn es mal kriselt in der Beziehung oder der Partner zeitlich oder räumlich nicht verfügbar ist, und niemand anderes (mehr) da ist, dann kann aus der himmlischen Zweisamkeit schnell höllische Einsamkeit werden.
Daher ist es wichtig, sich zwar gemeinsamen Hobbys und Freundeskreisen zu widmen (Stichwort Pärchenabende), aber sich auch gegenseitig Freiraum zu lassen, eigenen Hobbys nachzugehen, selbst soziale Beziehungen zu alten Freunden aufrechtzuerhalten etc. Sich Zeit für sich selbst zu nehmen, ganz ohne den anderen.

https://jochenteuffel.wordpress.com
Foto: https://jochenteuffel.wordpress.com/2014/03/30/gilt-fur-kirchenausgetretene-wirklich-das-gesetz-wir-mussen-drausen-bleiben/

Aber Vorsicht – nicht bei jedem ist das Bedürfnis nach einer solchen partnerfreien Zeit gleich stark ausgeprägt. Während die einen mehr auf der „alles gemeinsam“-Seite stehen, fürchten sich die anderen eher vor dem „gemeinsam einsam“. Und manchmal wechselt man die Seiten auch im Laufe des Lebens. Wichtig: der eine Partner darf dann nicht das Gefühl haben, von einer Schlingpflanze umklammert und erdrückt zu werden, und der andere darf sich nicht wie ein ausgesetzter Hund vor einem „Ich muss draußen bleiben“-Schild fühlen.

IMG_2216Im hektischen Alltag passiert es vielleicht auch schnell, dass man „gemeinsam einsam“ ist, weil man zu viel getrennt voneinander unternimmt – der Beruf, die Familie, ehrenamtliche Engagements, all das fordert Zeit und wenn man abends fix und fertig nach Hause kommt, bleiben kaum noch Kapazitäten für den Anderen übrig. Dann verbringt man zwar noch ein wenig Zeit zweisam, ist aber trotzdem einsam, weil man die Zeit neben- statt miteinander verbringt. Hier ist dann statt der „Zeit für sich“ eher „Zeit für uns“ gefragt. Sich bewusst Zeit für den anderen zu nehmen, zuzuhören, zu verstehen, nachzufragen, interessiert und ehrlich zu sein.

Wo auch immer man gerade steht und mit welcher „gemeinsam einsam“-Problematik man mehr zu kämpfen hat – Balance und Kommunikation sind gute Stichwörter zur Lösung.