Mein Handy, dein Handy…

Gestern wurde mir auf der Arbeit mein Handy gestohlen. Zugegeben, die Polizeibefragung war schon spannend – allerdings hätte ich lieber irgendwann mal als Zeugin bei einem harmlosen Delikt ausgesagt statt als Opfer einer Straftat.

Jetzt kämpfe ich mit einem finanziellen Schaden durch den Kauf eines neuen Smartphones (und das, wo wir doch gerade für die kirchliche Trauung sparen) und viel Aufwand, um alle Nummern u.a. wiederzubekommen, Passwörter zu ändern, alle Apps neu zu installieren… Davon abgesehen ist es ein wirklich merkwürdiges Gefühl, dass jemand Fremdes jetzt mit meinem Handy unterwegs ist. Zwar habe ich meine SIM-Karte sperren lassen, aber sicher, auf welche Daten man noch zugreifen kann oder auch nicht, bin ich mir nicht. Der Datenverlust ist sowieso das, was mich am meisten fertig macht. So ein kleiner Kasten enthält doch erstaunlich viele persönliche Daten und Erinnerungen: Notizen, Chatverläufe, Spielstände, Videos, Bilder, Musik – im Grunde ein halbes Leben.

Im ersten Moment war ich auch auf Gott ein bisschen sauer – wo war er denn bitte in dem Moment, als der Dieb mein Smartphone einsteckte? Warum hat er nicht eingegriffen und mich davor bewahrt?
Doch trotz meiner Traurigkeit und Wut über den Diebstahl hat mich das Geschehene auch hinsichtlich verschiedener Punkte nachdenklich gestimmt:

  1. Die Balance zwischen Datenpreisgabe und Sicherheit: Ich hätte über mein Handy die Möglichkeit gehabt, zum einen über eine google-Cloud meine persönlichen Daten zu sichern, diese bei Diebstahl von fern zu löschen und zum anderen einen Ortungsdienst zu aktivieren, der das Handy bei Verlust schneller auffindbar macht. Beides habe ich nicht eingeschaltet, weil ich denke, google und Co wissen sowieso schon zuviel über mich – beim nächsten Handy werde ich die Entscheidung vielleicht doch pro-Sicherheit treffen und die Dienste nutzen. Außerdem werde ich mir dreimal überlegen, ob ich bei einer App mein Passwort speichern lasse oder sie doch lieber im Kopf behalte.
  2. Das Handy als Lebensspeicher: Wie oben beschrieben hatte ich wirklich eine Menge persönlicher Sachen auf meinem Handy, die jetzt jemand anderes in den Händen hält. Diese werde ich jetzt nicht nur öfter auf meinem PC sichern, sondern mir auch vorher überlegen, ob ich das ein oder andere wirklich auf meinem Handy speichern muss.
  3. Die Abhängigkeit vom Handy: Ich gebe zu, ab und an bin ich schon ein kleiner Smartphone-Junkie. Und heute, an einem unfreiwillig handyfreien Tag merke ich, wie sehr und wie oft ich das Smartphone unbewusst nutze und wie abhängig ich teilweise davon bin: Wer weckt mich früh, wenn nicht mein Handywecker? Wie bleibe ich dauerhaft erreichbar (und online), wenn nicht über meine Handy? Was mache ich während einer 5-Minuten Pause, wenn nicht kurz auf mein Handy schauen? Einerseits vermisse ich mein Handy und die Möglichkeit, einfach zwischendurch mal geliebte Menschen zu kontaktieren, ihnen zu schreiben oder ein Bild zu senden. Andererseits fühlt es sich auch gut an, nicht dauerhaft erreichbar sein zu „müssen“…

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Kurz und gut, so traurig mich es auch macht, mein geliebtes Handy höchstwahrscheinlich nicht mehr wiederzusehen, hat es mich auch dazu gebraucht, meine eigene Smartphone-Nutzung kritisch zu hinterfragen. So gesehen hat das Ganze also vielleicht doch etwas Gutes.
Obwohl ich – im Gegensatz zu den vorherigen Käufen – dieses Mal keine Lust habe, mein neues Handy einzurichten und mich überhaupt nicht darauf freue, werde ich die Chance nutzen, mich mit sämtlichen Sicherheitseinstellungen vertraut zu machen. In der Hoffnung, dass ich sie nicht brauchen werde!

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